Armut und Reichtum

Armut

Die Indikatoren in diesem Themenfeld bieten Informationen zur Abhängigkeit von Leistungen der sozialen Mindestsicherung als zweites Messkonzept neben der häufig verwendeten relativen Einkommensarmut. Außerdem werden dem Existenzsicherungssystem vorgelagerte Leistungen und Daten zum Thema Schulden und Überschuldung dargestellt.
Ein anderer in diesem Themenfeld dargestellter Aspekt ist die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen. Monetäre Armut ist ein wesentliches Risiko für die Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen und weist darüber hinaus häufig Zusammenhänge mit weiteren Armutsrisiken, wie etwa Bildungsarmut auf.

Armut – Leistungen der sozialen Sicherung, Kinderarmut, Überschuldung

Mindestsicherungsleistungen

Mindestsicherungsleistung

Der Indikator gibt die Anzahl und den Anteil von Personen an der Gesamtbevölkerung wider, der Leistungen aus einem der Mindestsicherungssysteme SGB II, SGB XII und Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) bezieht. Der Indikator zeigt neben der allgemeinen Anzahl und Quote von Personen, die auf Mindestsicherungsleistungen angewiesen sind, auch die Unterschiede einer solchen Hilfebedürftigkeit nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit und wie groß der Anteil bestimmter Leistungsarten im Vergleich ist.

Abbildung A2.3.1 Mindestsicherungsquote in Baden-Württemberg und Deutschland im Zeitverlauf


Datenquellen: Für SGB II-Daten: Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende, für alle weiteren Daten: Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.3.1.1 Empfänger_innen von Leistungen der sozialen Mindestsicherung in Baden-Württemberg im Zeitverlauf

# Jahr Insgesamt (Anzahl) Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SBG II: ALG II (Anzahl) Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SBG II: Sozialgeld (Anzahl) Leistungen nach SGB XII: HLU* außerhalb von Einrichtungen (Anzahl) Leistungen nach SGB XII: Grundsicherung im Alter u. b. Erwerbsminderung (Anzahl) Leistungen nach SGB XII: Regelleistungen nach dem Asylbewerber- leistungsgesetz (Anzahl)
11 2007 557.832 333.357 136.092 5.543 70.580 12.260
12 2008 525.811 311.828 124.949 5.418 74.390 9.226
13 2009 558.939 342.635 130.211 5.416 71.402 9.275
14 2010 532.846 326.330 115.913 5.392 74.920 10.291
15 2011 501.138 296.205 108.690 5.934 79.099 11.210
16 2012 508.257 293.555 110.133 6.036 83.487 15.046
17 2013 529.023 296.558 113.284 6.808 88.825 23.548
18 2014 555.997 300.232 116.405 7.210 93.619 38.531
19 2015 650.679 303.552 119.112 7.289 99.446 121.280
20 2016 645.134 323.344 127.711 6.905 97.318 89.856

*) HLU = Hilfe zum Lebensunterhalt.
Datenquellen: Für SGB II-Daten: Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende, für alle weiteren Daten: Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Tabelle A2.3.1.2 Mindestsicherungsquote in Baden-Württemberg im Zeitverlauf

# Jahr Insgesamt (in %) Zum Vergleich: Deutschland (in %) Männer (in %) Frauen (in %)
1 2007 5,2 9,5 5,0 5,4
2 2008 4,9 9,1 4,7 5,1
3 2009 5,2 9,2 5,1 5,3
4 2010 5,0 8,8 4,8 5,1
5 2011 4,8 8,7 4,6 4,9
6 2012 4,8 8,7 4,7 4,9
7 2013 5,0 8,9 4,9 5,1
8 2014 5,2 9,1 5,1 5,2
9 2015 6,0 9,7 6,3 5,7
10 2016 5,9 9,5 6,2 5,6

Datenquellen: Für SGB II-Daten: Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende, für alle weiteren Daten: Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Abbildung A2.3.2 Inanspruchnahme von Arbeitslosengeld II (SGB II) in Baden-Württemberg 2016


Anmerkung: Die angegeben Werte sind Jahresdurchschnittswerte; Anteil von erwerbsfähigen leistungsberechtigten Personen im Alter von 15 Jahren bis zur Regelaltersgrenze im Verhältnis zur gleichaltrigen Bevölkerung.
Datenquelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Analyse Arbeitsmarkt, Grundsicherung für Arbeitsuchende, März 2018. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.3.2 Inanspruchnahme von Arbeitslosengeld II (SGB II) in Baden-Württemberg 2016

# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil: erwerbsfähige leistungsberechtigte Personen (in %)
1 Insgesamt 4,3
2 zum Vergleich: Deutschland 7,9
3 -
4 nach Geschlecht
5 Männer 4,1
6 Frauen 4,6
7 -
8 nach Staatsangehörigkeit
9 Deutsche 3,1
10 Ausländer_innen 10,1

Anmerkung: Die angegeben Werte sind Jahresdurchschnittswerte; Anteil von erwerbsfähigen leistungsberechtigten Personen im Alter von 15 Jahren bis zur Regelaltersgrenze im Verhältnis zur gleichaltrigen Bevölkerung.
Datenquelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Analyse Arbeitsmarkt, Grundsicherung für Arbeitsuchende, März 2018. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Tabelle A2.3.3 Inanspruchnahme von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGB XII) in Baden-Württemberg 2016

# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 1,1
2 zum Vergleich: Deutschland 1,5
3 -
4 Grundsicherung Insgesamt …
5 ... bei Erwerbsminderung* 0,7
6 … im Alter** 2,4
8 -
9 nach Geschlecht
10 Männer …
11 ... bei Erwerbsminderung 0,7

*) 18 bis zur Altersgrenze Renteneintritt (nach §41 Abs.2 SGB XII).
**) Altersgrenze Renteneintritt und älter.
Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Dezember des jeweiligen Jahres, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Im Jahr 2016 bezogen in Baden-Württemberg 645.134 Menschen Mindestsicherungsleistungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger um 5.545 leicht gesunken. Die Mindestsicherungsquote lag in Baden- Württemberg bei 5,9 % und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 9,5 %. Die Mindestsicherungsquote schwankte zwischen 2007 und 2014 zwischen 4,8 % und 5,2 % und hat sich 2015 auf 6,0 % erhöht. 2016 lag die Quote bei 5,9 %. Zwischen 2007 und 2014 war die Mindestsicherungsquote von Frauen konstant um 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte höher als die von Männern. 2015 und 2016 bezogen anteilsmäßig etwas mehr Männer als Frauen Mindestsicherungsleistungen (Differenz: 0,6 Prozentpunkte). Es ist zu vermuten, dass dies in erster Linie durch die verstärkte Inanspruchnahme von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zurückzuführen ist. Diese werden häufiger von Männern als von Frauen in Anspruch genommen und haben sich zwischen 2014 und 2015 verdreifacht. 2016 sind sie im Vergleich zum Höchststand 2015 allerdings wieder gesunken. Die Quote der Inanspruchnahme von Arbeitslosengeld II nach dem SGB II lag in Baden-Württemberg 2016 bei 4,3 % und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 7,9 %. Betrachtet man diese Quote differenziert nach soziodemographischen Merkmalen, so zeigt sich, dass Frauen häufiger ALG II bezogen als Männer. Verglichen mit dem Jahr 2012 ist dieser Unterschied aber kleiner geworden. Der Unterschied zwischen Deutschen und Ausländerinnen und Ausländern beim Bezug von ALG II ist hingegen im Zeitverlauf größer geworden. 2016 bezogen Ausländerinnen und Ausländer mehr als dreimal so häufig ALG II wie Deutsche (10,1 % versus 3,1 %). 2012 war der Unterschied mit 8,8 % bei Ausländerinnen und Ausländern und 3,4 % bei Deutschen noch geringer. Die Inanspruchnahme von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII ist insgesamt auf einem deutlich niedrigeren Niveau mit 1,1 % im Jahr 2016 in Baden-Württemberg und 1,5 % in Gesamtdeutschland. Differenziert man nach Leistungsart, zeigt sich, dass die Grundsicherung im Alter häufiger bezogen wird als die Grundsicherung bei Erwerbsminderung. Im Jahr 2016 haben 2,4 % der Bevölkerung, die die Altersgrenze erreicht hat bzw. über ihr liegt, Grundsicherung im Alter bezogen. Dieser Wert ist seit 2012 um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Im Jahr 2012 war noch ein stärkerer Unterschied im Bezug von Grundsicherung im Alter zwischen Männern und Frauen zu beobachten – 2016 ist dieser geringer geworden (von 0,6 auf 0,3 Prozentpunkte). Besonders häufig bezogen Ausländerinnen und Ausländer Grundsicherung im Alter. Ihr Anteil war 2016 mit 8,9 % 4,7-fach höher als der Anteil von Deutschen.

Definition:
Der Indikator gibt die Anzahl und den Anteil von Personen an der Gesamtbevölkerung wider, der Leistungen aus einem der Mindestsicherungssysteme SGB II, SGB XII und Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) bezieht. Der Indikator zeigt neben der allgemeinen Anzahl und Quote von Personen, die auf Mindestsicherungsleistungen angewiesen sind, auch die Unterschiede einer solchen Hilfebedürftigkeit nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit und wie groß der Anteil bestimmter Leistungsarten im Vergleich ist.

Bewertung und empirische Relevanz:
Der Mindestsicherungsleistungsbezug dient zum einen als Messkonzept für monetäre Armutsgefährdung. Zum anderen wird er als politisches Konzept zur Messung „bekämpfter Armut“ in einem normativen Sinne verwendet, da Grundsicherungsleistungen das soziokulturelle Existenzminimum sichern sollen. Dadurch wird durch diesen Indikator auch deutlich, wie viele Menschen ein solches Existenzminimum nur durch die Hilfe von sozialen Sicherungssystemen erreichen können.

Hinweis:
In die Berechnung und Darstellung fließen folgende Grundsicherungsleistungen ein: SGB II (Arbeitslosengeld II, Sozialgeld), SGB XII (Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung) und Regelleistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz. Die Zahlen beruhen jeweils auf den Emfänger_innen am Jahresende.

Datenquelle:
Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II); Statistiken der Statistische Ämter des Bundes und der Länder. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A2.3.2 Inanspruchnahme von Arbeitslosengeld II (SGB II) in Baden-Württemberg 2012


# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil: erwerbsfähige leistungsberechtigte Personen (in %)
1 Insgesamt 4,2
2 zum Vergleich: Deutschland 8,2
4 -
6 nach Geschlecht
7 Männer 3,8
9 Frauen 4,6
10 -
11 nach Staatsangehörigkeit
13 Deutsche 3,4
14 Ausländer_innen 8,8

Anmerkung: Die angegeben Werte sind Jahresdurchschnittswerte; Anteil von erwerbsfähigen leistungsberechtigten Personen im Alter von 15 Jahren bis zur Regelaltersgrenze im Verhältnis zur gleichaltrigen Bevölkerung.
Datenquelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Analyse Arbeitsmarkt, Grundsicherung für Arbeitsuchende, Frankfurt a.M., September 2014. Eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.3.3 Inanspruchnahme von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGB XII) in Baden-Württemberg 2012


# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 1,0
2 zum Vergleich: Deutschland 1,3
3 -
5 Grundsicherung Insgesamt …
6 ... bei Erwerbsminderung* 0,6
7 … im Alter** 2,1
8 -
9 nach Geschlecht
10 Männer …
11 ... bei Erwerbsminderung 0,7

*) 18 bis zur Altersgrenze Renteneintritt (nach §41 Abs.2 SGB XII).
**) Altersgrenze Renteneintritt und älter.
Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Dezember des jeweiligen Jahres, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Wohngeld und Kinderzuschlag

Wohngeld und Kinderzuschlag

Der Indikator zeigt die Inanspruchnahme von Wohngeld und Kinderzuschlag. Wohngeld und Kinderzuschlag sind steuerfinanzierte Leistungen, die dem Existenzsicherungssystem vorgelagert sind.

Abbildung A2.4.1 Inanspruchnahme von Wohngeld in Baden-Württemberg im Zeitvergleich


Datenquelle: Wohngeldstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.4.1 Inanspruchnahme von Wohngeld in Baden-Württemberg 2017

# Nach Merkmal Wohngeldhaushalte (Anzahl) Durchschnittlicher mtl. Wohngeldanspruch (in €)
1 Wohngeldempfängerhaushalte insgesamt ... 60.049 170
2 ... Haushalte mit Mietzuschuss 56.889 166
3 ... Haushalte mit Lastenzuschuss 3.160 235

Datenquelle: Wohngeldstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Tabelle A2.4.2 Bezieher_innen und Kinder mit Bezug von Kinderzuschlag in Baden-Württemberg 2017

# Nach Merkmal Bezieher_innen von Kinderzuschlag (Anzahl)
1 Berechtigte 9.108
2 Kinder 25.960

Datenquelle: interne Statistik der Familienkasse Direktion, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Im Jahr 2012 bezogen 71.336 Haushalte in Baden-Württemberg Wohngeld. Im Jahr 2017 waren es 60.049 Haushalte. Das sind jeweils weniger als 2 % der Privathaushalte in Baden-Württemberg. Die überwiegende Mehrheit dieser Haushalte (94,7 %) bezog dabei im Jahr 2017 einen Mietzuschuss. Im Jahr 2017 lag der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch mit 170 € höher als im Jahr 2012 mit 129 €. Für die Interpretation der Daten sollte beachtet werden: Die Anzahl der Wohngeldhaushalte schwankt in Abhängigkeit von den Wohngeldreformen: Im ersten Jahr nach einer Novellierung des Wohngeldgesetzes (Leistungsanpassungen) lässt sich ein deutlicher Anstieg der Anzahl von Inanspruchnahme von Wohngeld beobachten. Danach flacht sich die Entwicklung auf dem neuen Niveau ab. Die letzten Wohngeldreformen fanden im Jahr 2009 und 2016 statt. Die Anzahl der Bezieherinnen und Bezieher von Kinderzuschlag in Baden-Württemberg lag im Jahr 2017 bei 9.108 Berechtigten und 25.960 Kindern. Pro Kinderzuschlagsberechtigter/m wird der Kinderzuschlag demnach im Schnitt für 2,9 Kinder gewährt.

Definition:
Der Indikator zeigt die Inanspruchnahme von Wohngeld und Kinderzuschlag. Wohngeld und Kinderzuschlag sind steuerfinanzierte Leistungen, die dem Existenzsicherungssystem vorgelagert sind.

Bewertung und empirische Relevanz:
Für Alleinerziehende und viele Paare mit Kindern leistet das Wohngeld zusammen mit dem Kinderzuschlag einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung des Bezugs von Leistungen nach dem SGB II. Durch die Kombination von Kinderzuschlag und Wohngeld erreichen diese Haushalte ein Einkommen, das im Regelfall geringfügig über dem Mindestsicherungsniveau liegt und durch welches sie den Grundsicherungsbezug vermeiden können.

Hinweise:
Eine Gesamtzahl der Leistungsempfängerinnen und -empfänger oder die Anteilsquote von allen Berechtigten kann nicht gebildet werden, weil sich die Zahl der Wohngeldempfängerinnen und -empfänger mit Kindern und der Kinderzuschlagsempfängerinnen und -empfänger überschneiden. Oft werden beide Leistungen gleichzeitig bezogen. Es werden hier nur reine Wohngeldempfängerhaushalte betrachtet, die im letzten Monat des Berichtsjahres Wohngeld bezogen haben.Beim Kinderzuschlag werden laufende Fälle (mit Bewilligungsabschnitt) sowie alle Einmalzahlungen berücksichtigt. Die Werte entstammen nicht der Bestandsstatistik, sondern errechnen sich analog der Verwaltungsvereinbarung. Aufgrund einer geänderten Berechnungsweise beim Bezug von Kinderzuschlag ist keine Vergleichbarkeit der aktuellen Werte mit Daten aus den Jahren vor 2014 gegeben. Daher wird hier nur das Jahr 2017 ausgewiesen.

Datenquelle:
Wohngeldstatistik und interne Statistik der Familienkasse Direktion, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A2.4.1 Inanspruchnahme von Wohngeld in Baden-Württemberg 2012


# Nach Merkmal Wohngeldhaushalte (Anzahl) Durchschnittlicher mtl. Wohngeldanspruch (in €)
1 Wohngeldempfängerhaushalte insgesamt ... 71.336 129
2 ... Haushalte mit Mietzuschuss 67.036 127
3 ... Haushalte mit Lastenzuschuss 4.299 165

Datenquelle: Wohngeldstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger

Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger

Der Indikator gibt die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen wieder.

Abbildung A2.5.1.1 Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger im Zeitverlauf


Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.5.1.1 Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger im Zeitverlauf

# Jahr Baden-Württemberg (in %) Deutschland (in %)
1 2007 16,2 18,4
2 2008 16,2 18,4
3 2009 17,4 18,7
4 2010 17,3 18,2
5 2011 17,8 18,7
6 2012 17,7 18,7
7 2013 17,0 19,2
8 2014 17,2 19,0
9 2015 17,9 19,7
10 2016 19,4 20,2

Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Abbildung A2.5.1.2 Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger in Baden-Württemberg 2016 nach Migrationshintergrund*


*) siehe Definition Migrationshintergrund.
Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.5.1.2 Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger in Baden-Württemberg 2016

# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 19,4
2 zum Vergleich: Deutschland 20,2
3 -
5 Nach Geschlecht
6 männlich 19,6
7 weiblich 19,3
8 -
9 Nach Migrationshintergrund*
10 ohne MH 11,1
11 mit MH 30,4

*) MH = Migrationshintergrund, siehe Definition Migrationshintergrund.
**) siehe Definition Haushaltstyp.
/ = keine Angabe, da Zahlenwert nicht sicher genug.
Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren lag in Baden-Württemberg 2016 bei 19,4 %. Damit tragen sie nach den 18- bis unter 25-Jährigen das zweithöchste Armutsrisiko unter den Altersgruppen (vgl. Armutsgefährdungsquoten in Baden-Württemberg). Im Zeitverlauf ab 2007 ist die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gestiegen. Im Vergleich zu 2007 lag sie 2016 um 3,2 Prozentpunkte höher. Zwischen 2015 und 2016 gab es den größten Anstieg um 1,5 Prozentpunkte. Allerdings sind die Zahlen des Mikrozensus für das Jahr 2016 durch die Umstellung auf eine neue Stichprobe sowie durch Sondereffekte im Kontext der Bevölkerungsentwicklung in ihrer Vergleichbarkeit mit den Vorjahren eingeschränkt. Die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist unabhängig von ihrem Geschlecht und variiert nur geringfügig mit ihrem Alter. Kinder unter 3 Jahre haben ein etwas höheres Armutsrisiko, was unter anderem mit der mütterlichen Erwerbsbeteiligung zusammenhängen könnte, die mit dem Alter der Kinder zunimmt. Kinder und Jugendliche waren 2016 in Baden-Württemberg mit 30,4 % fast dreimal häufiger armutsgefährdet als jene ohne Migrationshintergrund (11,1 %). Außerdem tragen Kinder je nach Haushaltstyp, in dem sie leben, ein unterschiedlich hohes Armutsrisiko. Kinder von Alleinerziehenden trugen 2016 (und auch 2012) das höchste Armutsrisiko (40,5 % bei einem Kind). Dieses nahm außerdem mit jedem weiteren Geschwisterkind deutlich zu (50,2 % bei zwei Kindern und 67,4 % bei drei oder mehr Kindern). Auch Kinder in Mehrkindfamilien (mindestens drei Kinder) mit zwei Erwachsenen trugen 2016 ein vergleichsweise hohes Armutsrisiko von 23,7 %. Haushalte mit zwei Erwachsenen und ein oder zwei Kindern wiesen hingegen eine unterdurchschnittliche Armutsgefährdungsquote von 9,9 % bei einem Kind und 11,6 % bei zwei Kindern auf.

Definition:
Der Indikator gibt die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen wieder.

Bewertung und empirische Relevanz:
Monetäre Armutsgefährdung ist ein wesentliches Risiko für die Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen und weist darüber hinaus häufig Zusammenhänge mit weiteren Armutsrisiken auf, wie etwa Bildungsarmut.

Weitere Differenzierungsmerkmale:
In anderen Themenfeldern des Gesellschaftsmonitorings Baden-Württemberg finden Sie ergänzend folgende Differenzierungen zur Armutsgefährdung:

Hinweise:
Für die Berechnung wird das bedarfsgewichtete Äquivalenzeinkommen und der Landesmedian herangezogen.

Datenquelle:
Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A2.5.1.2 Armutsgefährdungsquoten unter 18-Jähriger in Baden-Württemberg 2012


# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 17,7
2 zum Vergleich: Deutschland 18,7
3 -
5 Nach Geschlecht
6 männlich 17,7
7 weiblich 17,6
8 -
9 Nach Migrationshintergrund*
10 ohne MH 11,0
11 mit MH 28,4

*) MH = Migrationshintergrund, siehe Definition Migrationshintergrund.
**) siehe Definition Haushaltstyp.
/ = keine Angabe, da Zahlenwert nicht sicher genug.
Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Quote unter 18-Jähriger in SGB II-Bedarfsgemeinschaften

Quote unter 18-Jähriger in SGB II-Bedarfsgemeinschaften

Der Indikator gibt den Anteil von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in der Gesamtbevölkerung an, die in SGB II-Bedarfsgemeinschaften leben.

Abbildung A2.5.2 Quote unter 18-Jähriger in SGB II- Bedarfsgemeinschaften in Baden-Württemberg 2016 nach Alter


Datenquellen: Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) (Daten Dezember, Datenstand April 2017) und Bevölkerungsfortschreibung zum 31.12. des jeweiligen Jahres, eigene Berechnung Familienforschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.5.2 Quote unter 18-Jähriger in SGB II- Bedarfsgemeinschaften in Baden-Württemberg 2016

# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 8,4
2 zum Vergleich: Deutschland 14,8
3 -
5 Nach Geschlecht
6 männlich 8,4
7 weiblich 8,4
8 -
9 Nach Altersgruppen
10 unter 3 Jahre 9,4
11 3 bis unter 6 Jahre 9,7

Datenquellen: Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) (Daten Dezember, Datenstand April 2017) und Bevölkerungsfortschreibung zum 31.12.des jeweiligen Jahres, eigene Berechnung Familienforschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Im Dezember 2016 lebten 8,4 % der Kinder in Baden-Württemberg in SGB II-Bedarfsgemeinschaften. Das sind deutlich weniger als in Gesamtdeutschland mit 14,8 %. Auffallend ist die deutlich höhere Quote bei Kindern und Jugendlichen ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit 25,0 % gegenüber denen mit deutscher Staatsangehörigkeit (6,4 %). Geschlechtsspezifische Unterschiede sind keine zu erkennen. Bezogen auf das Alter der Kinder finden sich geringe Unterschiede (0,3 bis 2,3 Prozentpunkte). In der Tendenz nehmen die SGB II-Quoten mit steigendem Alter der Kinder ab: Von 9,4 % in der jüngsten Altersgruppe auf 6,2 % in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren.

Definition:
Der Indikator gibt den Anteil von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in der Gesamtbevölkerung an, die in SGB II-Bedarfsgemeinschaften leben.

Bewertung und empirische Relevanz:
Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II-Leistungen, „Hartz IV“) sind die mit Abstand wichtigsten Mindestsicherungsleistungen für Kinder und Jugendliche in SGB II-Bedarfsgemeinschaften. Das Aufwachsen in SGB II-Bedarfsgemeinschaften gilt einerseits als Messkonzept für monetäre Armutsgefährdung. Zum anderen wird es als politisches Konzept zur Messung „bekämpfter Armut“ in einem normativen Sinne verwendet, da SGB II-Bezug als eine der Grundsicherungsleistungen das soziokulturelle Existenzminimum sichern soll. Dabei wird bei Kindern oft von einem Kinderexistenzminimum gesprochen, womit das soziokulturelle Existenzminimum gemeint ist, welches über die reine physische Existenz hinaus mindestens notwendig ist, um einem Kind ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben zu ermöglichen.

Hinweise:
Unter 15 Jahren steht Kindern Sozialgeld zu, sofern sie in einer Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einer oder einem erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, zumeist Eltern, leben, hilfebedürftig sind und keinen Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung bei Erwerbsminderung nach dem Recht der Sozialhilfe haben. Ab Vollendung des 15. Lebensjahres als Beginn des erwerbsfähigen Alters haben sie bei Hilfebedürftigkeit und wenn sie sich nicht in Ausbildung befinden, grundsätzlich Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Ggf. besteht ein Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe.

Datenquelle:
Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) (Daten Dezember, Datenstand April 2017) und Bevölkerungsfortschreibung zum 31.12.des jeweiligen Jahres, eigene Berechnung Familienforschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A2.5.2 Quote unter 18-Jähriger in SGB II- Bedarfsgemeinschaften in Baden-Württemberg 2012


# Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 7,5
2 zum Vergleich: Deutschland 14,3
3 -
5 Nach Geschlecht
6 männlich 7,5
7 weiblich 7,6
8 -
9 Nach Altersgruppen
10 unter 3 Jahre 9,2
11 3 bis unter 6 Jahre 9,1

Datenquellen: Statistik der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) (Daten Dezember, Datenstand April 2017) und Bevölkerungsfortschreibung zum 31.12.des jeweiligen Jahres, eigene Berechnung Familienforschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Schuldnerquoten

Schuldnerquoten

Der Indikator zeigt die Schuldnerquoten im Zeitverlauf.

Abbildung A2.6.1 Schuldnerquoten im Zeitverlauf


Datenquelle: SchuldnerAtlas, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.6.1 Schuldnerquoten im Zeitverlauf

# Jahr Baden-Württemberg (in %) Deutschland (in %)
1 2007 8,1 10,9
2 2008 7,7 10,1
3 2009 7,1 9,1
4 2010 7,5 9,5
5 2011 7,5 9,4
6 2012 7,7 9,7
7 2013 7,9 9,8
8 2014 8,0 9,9
9 2015 8,1 9,9
10 2016 8,1 10,1
11 2017 8,3 10,0

Datenquelle: SchuldnerAtlas, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Die Schuldnerquoten in Baden-Württemberg lagen 2017 mit 8,3 % unter dem Bundesdurchschnitt (10,0 %). Im Zeitverlauf ist die Schuldnerquote, also der Anteil von Personen mit mindestens einem Negativmerkmal an der Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren, relativ konstant bei zwischen 7,1 % und 8,3 % geblieben. Seit 2007 ist sie zuerst leicht gesunken und dann nach dem Krisenjahr 2009 wieder gestiegen. In Deutschland ist der zeitliche Verlauf ähnlich – allerdings auf dem 10 % – Niveau.

Definition:
Der Indikator zeigt die Schuldnerquoten im Zeitverlauf.

Bewertung und empirische Relevanz:
Die Schuldnerquoten sind ein wichtiger Indikator für Überschuldung und Armutsgefährdung. Menschen, die überschuldet sind, können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, weil ihr Einkommen und Vermögen dafür nicht mehr ausreichen. Dieser erhöhte finanzielle Druck führt zu sozialen und psychischen Belastungen bei den überschuldeten Personen.

Datenquelle:
SchuldnerAtlas, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Anzahl beantragter Verbraucherinsolvenzen

Verbraucherinsolvenzen

Der Indikator zeigt die Anzahl beantragter Verbraucherinsolvenzen im Zeitverlauf.

Abbildung A2.6.2 Beantragte Verbraucherinsolvenzen in Baden-Württemberg im Zeitverlauf


Datenquelle: Insolvenzstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A2.6.2 Beantragte Verbraucherinsolvenzen in Baden-Württemberg und Deutschland im Zeitverlauf

wdt_ID Jahr Baden-Württemberg Deutschland
1 2007 9.696 105.239
2 2008 9.600 98.140
3 2009 9.979 101.102
4 2010 10.766 108.798
5 2011 9.664 103.289
6 2012 8.514 97.608
7 2013 7.745 91.200
8 2014 7.484 86.298
9 2015 6.735 80.146
10 2016 6.349 77.238
11 2017 6.188 71.896

Datenquelle: Insolvenzstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Im Jahr 2017 wurden von den Amtsgerichten in Baden-Württemberg 6.188 neue Anträge auf Verbraucherinsolvenzverfahren registriert. Gegenüber dem Vorjahr ist ein Rückgang um 161 Fälle bzw. 2,5 % festzustellen. Seit dem Jahr 2010, in dem mit insgesamt 10.766 beantragten Verbraucherinsolvenzverfahren ein Höchststand erreicht wurde, ist die Zahl um 42,5 % zurückgegangen.
Der Rückgang seit 2010 könnte ein Indikator dafür sein, dass die positive wirtschaftliche Entwicklung nun auch bei den Verbraucher_innen angekommen ist. Er könnte aber auch darauf hinweisen, dass die Wartezeiten bei den Schuldnerberatungsstellen für die Durchführung eines außergerichtlichen Schuldenbereinigungsversuchs über die Jahre länger geworden sind und ein Verbraucherinsolvenzverfahren daher nicht immer sofort bei Eintritt der Überschuldung begonnen werden kann.

Definition:
Der Indikator zeigt die Anzahl beantragter Verbraucherinsolvenzen im Zeitverlauf.

Bewertung und empirische Relevanz:
Private Verbraucherinsolvenzen stellen Fälle absoluter Überschuldung dar. Das bedeutet, dass Zahlungsverpflichtungen dauerhaft nicht erfüllt werden können – das Einkommen und Vermögen der Schuldnerin oder des Schuldners reicht nicht aus, um die bestehenden Verbindlichkeiten zu decken.

Datenquelle:
Insolvenzstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.