Armut und Reichtum

Reichtum

Mit Reichtum werden außergewöhnlich gute Teilhabe- und Verwirklichungschancen verbunden. Als Formen von Reichtum können grundsätzlich materieller sowie immaterieller Reichtum unterschieden werden, die jedoch nicht voneinander unabhängig sind. In diesem Themenfeld liegt der Fokus auf dem Aspekt des materiellen Reichtums, der anhand der Bestandteile „Einkommensreichtum“ und „Vermögensreichtum“ beleuchtet wird.

Verteilung des Nettoäquivalenzeinkommens

Verteilung des Nettoäquivalenzeinkommens

Der Indikator stellt die Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen dar. Dazu wird die Betrachtung von Dezilen sowie das 80/20 Quintils-Verhältnis als Maß für Einkommensungleichheit herangezogen. Der Gini-Koeffizient ist ein weiteres Maß zur Messung von Einkommensungleichheit.

Abbildung A3.1.1 Verteilung der jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen in Baden-Württemberg 2015


Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v33, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A3.1.1 Verteilung der jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen in Baden-Württemberg 2015

wdt_ID Kennzahlen der Einkommensverteilung Einkommen (Anteil in Dezilen und Quintilen in %, Gini-Koeffizient und Quintils-Verhältnis)
1 Dezile (in %)
2 10. Dezil 21,9
3 9. Dezil 14,5
4 8. Dezil 12,1
5 7. Dezil 10,6
6 6. Dezil 9,5
7 5. Dezil 8,3
8 4. Dezil 7,5
9 3. Dezil 6,6
10 2. Dezil 5,5

Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v33, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Das Nettoäquivalenzeinkommen in Baden-Württemberg verteilte sich im Jahr 2015 folgendermaßen: Auf die unteren 10 % der Einkommensverteilung (1. Dezil) entfielen 3,4 % des gesamten Einkommens in Baden-Württemberg, auf die oberen 10 % (10. Dezil) dagegen 21,9 %. Die unteren 50 % der Einkommensverteilung verfügten über einen Anteil von 31,4 % des gesamten Einkommens.
Das Verhältnis der Einkommensanteile der unteren und oberen 20 % der Einkommensbeziehenden betrug 4,1. Das bedeutet, dass der Einkommensanteil, der auf die oberen 20 % entfiel, das Vierfache des Einkommensanteils, der auf die unteren 20 % der Einkommensbeziehenden entfiel, beträgt.
Zwischen 2012 und 2015 blieb die Verteilung der Nettoäquivalenzeinkomme in Baden-Württemberg weitestgehend stabil.
Deutschlandweit waren die Einkommen etwas ungleicher verteilt als in Baden-Württemberg. Das zeigt sich an einem etwas höheren Gini-Koeffizient (0,29 in Deutschland im Jahr 2015 versus 0,27 in Baden-Württemberg) wie auch am 80/20 Quintils-Verhältnis, welches in Deutschland im Jahr 2015 mit 4,5 etwas höher war als in Baden-Württemberg (4,1).

Bewertung und empirische Relevanz:
Die Einkommensverteilung gibt an, wie sich die Einkommen auf die einzelnen Personen einer Gesellschaft verteilen. Einkommen ist ein bedeutender Faktor für die Sicherung des Lebensunterhalts und des persönlichen Wohlergehens, beispielsweise die Möglichkeiten des individuellen Konsums. Die Einkommensverteilung gibt damit auch an, wie gleich oder ungleich diese Möglichkeiten in der Gesellschaft verteilt sind. Eine zu gleiche oder eine zu ungleiche Verteilung der Einkommen gefährden die Entwicklung der Wirtschaft und den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das optimale Ausmaß an Ungleichheit lässt sich jedoch nicht bestimmen, daher ist die Frage, wie viel Ungleichheit eine Gesellschaft aushält, letztlich ein politisch zu klärender Sachverhalt.

Hinweis:
Grundlage für die Berechnung der Verteilung und Ungleichheit der Einkommen sind Angaben zum Nettoäquivalenzeinkommen eines Haushalts. Einkommen umfassen daher alle Einnahmen eines Haushaltes nach Berücksichtigung von Steuern, Sozialabgaben und Transferleistungen. In diesem auf den SOEP-Daten basierenden Indikator wird außerdem bei selbstgenutztem Wohneigentum der dadurch entstehende Einkommensvorteil als hypothetische Mieteinnahmen berücksichtigt. Für genauere Informationen zur Stichprobe und Einkommensvariable siehe Sozio-oekonomisches Panel (SOEP).

Definition:
Der Indikator stellt die Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen dar. Dazu wird die Betrachtung von Dezilen sowie das 80/20 Quintils-Verhältnis als Maß für Einkommensungleichheit herangezogen. Der Gini-Koeffizient ist ein weiteres Maß zur Messung von Einkommensungleichheit.

Datenquelle:
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v33, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A3.1.1 Verteilung der jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen in Baden-Württemberg 2012


wdt_ID Kennzahlen der Einkommensverteilung Einkommen (Anteil in Dezilen und Quintilen in %, Gini-Koeffizient und Quintils-Verhältnis)
1 Dezile (in %)
2 10. Dezil 22,2
3 9. Dezil 14,3
4 8. Dezil 12,0
5 7. Dezil 10,4
6 6. Dezil 9,3
7 5. Dezil 8,4
8 4. Dezil 7,5
9 3. Dezil 6,6
10 2. Dezil 5,6

Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v33, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Relative Einkommensreichtumsquoten

relative Einkommensreichtumsquoten

Der Indikator stellt die relativen Einkommensreichtumsquoten dar, anhand der 200 % und der 300 % Schwelle, gemessen am Landesmedian.

Abbildung A3.1.2.1 Relative Einkommensreichtumsquoten in Baden-Württemberg im Zeitverlauf


Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A3.1.2.1 Relative Einkommensreichtumsquoten in Baden-Württemberg im Zeitverlauf

wdt_ID Jahr 200 %-Quote (in %) 300 %-Quote (in %)
1 2007 7,3 1,9
2 2008 7,3 1,9
3 2009 7,5 2,0
4 2010 7,4 2,0
5 2011 7,5 2,0
6 2012 7,5 2,0
7 2013 7,8 2,1
8 2014 7,6 2,1
9 2015 7,8 2,2
10 2016 7,9 2,3

Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.



Tabelle A3.1.2.2 Relative Einkommensreichtumsquoten in Baden-Württemberg 2016

wdt_ID Nach Merkmal 200 %-Quote (in %) 300 %-Quote (in %)
1 Insgesamt 7,9 2,3
2 zum Vergleich: Deutschland 8,2 2,2
3 -
4 nach Geschlecht
6 Männer 8,6 2,5
7 Frauen 7,2 2
8 -
9 nach Altersgruppen
10 unter 18 Jahre 5,6 2,1
11 18 bis unter 25 Jahre 4,7 1,4

*) MH = Migrationshintergrund, siehe Definition Migrationshintergrund.
Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Die 200 % Einkommensreichtumsquote nach dem Mikrozensus für Baden-Württemberg (gemessen am Landesmedian) wies von 2007 bis 2016 keine belastbaren Veränderungen auf. Sie bewegte sich im genannten Zeitraum zwischen 7,3 % im Jahr 2007 und 7,9 % im Jahr 2016. Ähnlich verhält es sich bei der 300 % Einkommensreichtumsquote, die insgesamt auf einem niedrigeren Niveau 2007 bei 1,9 % lag und 2016 bei 2,3 %.
Männer sind sowohl nach der 200 % – Schwelle als auch nach der 300 % – Schwelle häufiger einkommensreich als Frauen. Im Jahr 2016 waren 8,6 % der Männer und 7,2 % der Frauen nach der 200 % – Schwelle einkommensreich. Nach der 300 % – Schwelle waren 2,5 % der Männer und 2,0 % der Frauen einkommensreich.
Menschen ohne Migrationshintergrund sind außerdem mehr als doppelt so häufig einkommensreich wie Menschen mit Migrationshintergrund (2,8 % versus 1,1 %).
Außerdem zeigt sich, dass relativer Einkommensreichtum im Lebensverlauf vor allem im Alter von 50 bis unter 65 Jahren vorhanden ist – eine Lebensphase, in der die Personen schon lange am Erwerbsleben partizipieren und noch nicht wieder aus diesem ausgeschieden sind. Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene auf der einen Seite und ältere bzw. hochaltrige Menschen auf der anderen Seite sind deutlich seltener einkommensreich als die mittleren Altersgruppen.

Definition:
Der Indikator stellt die relativen Einkommensreichtumsquoten dar, anhand der 200 % und der 300 % Schwelle, gemessen am Landesmedian.

Bewertung und empirische Relevanz:
Reichtum kann außergewöhnlich gute Teilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen und ist für die Betrachtung von sozialer Ungleichheit ebenso wichtig wie Armut.

Hinweise:
Ab welcher Grenze Personen als einkommensreich gelten, ist immer eine normative Frage. Ihre Festlegung hängt unter anderem auch von ökonomischen, sozialen, politischen, historischen und kulturellen Faktoren ab. Ein Konsens hinsichtlich geeigneter Einkommensreichtumsgrenzen, wie es ihn in der Armutsmessung gibt, fehlt bislang. Zunehmend etabliert haben sich die die Betrachtung der 200 %- und 300 %- Schwelle, die als einkommensstarke bzw. sehr einkommensstarke Personen hier mit Einkommensreichtum gleich gesetzt werden. Bei Untersuchungen zu monetärem Reichtum wird häufig auch auf vorhandene Vermögenswerte (Geld-, Sachvermögen) Bezug genommen. Der Mikrozensus erfasst allerdings Vermögenswerte nicht.

Datenquelle:
Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A3.1.2.2 Relative Einkommensreichtumsquoten in Baden-Württemberg 2012


wdt_ID Nach Merkmal 200 %-Quote (in %) 300 %-Quote (in %)
1 Insgesamt 7,5 2,0
2 zum Vergleich: Deutschland 8,1 2,2
3 -
4 nach Geschlecht
6 Männer 8,2 2,2
7 Frauen 6,8 1,8
8 -
9 nach Altersgruppen
10 unter 18 Jahre 4,9 1,3
11 18 bis unter 25 Jahre 4,2 1,2

*) MH = Migrationshintergrund, siehe Definition Migrationshintergrund.
Datenquelle: Mikrozensus, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einkommensmillionäre

Einkommensmillionäre

Der Indikator dokumentiert Lohn- und Einkommensteuerpflichtige mit einem Gesamtbetrag der Einkünfte von mindestens 1 Million € und deren Anteil an den Steuerpflichtigen insgesamt sowie ihren Anteil an der festgesetzten Einkommensteuer insgesamt.

Abbildung A3.1.3 Steuerpflichtige mit einem Gesamtbetrag der Einkünfte von mind. 1 Mio. € in Baden-Württemberg


Datenquelle: Lohn- und Einkommensteuerstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A3.1.3 Steuerpflichtige mit einem Gesamtbetrag der Einkünfte von mind. 1 Mio. € in Baden-Württemberg


wdt_ID Jahr Steuerpflichtige (Anzahl) Gesamtbetrag der Einkünfte (in Mrd. €) Durchschnittlicher Gesamtbetrag der Einkünfte (in Mio. €)
1 2007 2.792 8,42 3,02
2 2010 2.348 7,52 3,20
3 2013 2.989 9,07 3,03
4 2014 3.255 9,32 2,86

wdt_ID Jahr Steuerpflichtige (Anteil an insgesamt in %) Einkünfte (Anteil an insgesamt in %) Einkommenssteueraufkommen (Anteil an insgesamt in %)
1 2007 0,05 4,63 8,60
2 2010 0,04 4,05 6,95
3 2013 0,05 4,24 7,50
4 2014 0,06 4,15 7,17

Datenquelle: Lohn- und Einkommensteuerstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Die Anzahl der Einkommensteuerpflichtigen, deren Gesamtbetrag der Einkünfte eine Million Euro oder mehr beträgt, lag im Jahr 2014 bei 3.225 in Baden-Württemberg und ihr durchschnittlicher Gesamtbetrag der Einkünfte bei 2,86 Millionen Euro. Verglichen mit ihrem Anteil an den Steuerpflichtigen von 0,06 % erzielten die Einkommensmillionäre mit 4,15 % einen überproportional hohen Anteil am Gesamtbetrag der Einkünfte. Auf die Einkommensmillionäre entfielen zudem 7,17 % der gesamten festzusetzenden Einkommensteuer. Dies ist sowohl durch den oben beschriebenen hohen Anteil an den Einkünften als auch den progressiven Steuertarif begründet, bei dem der Steuersatz mit zunehmendem zu versteuerndem Einkommen steigt.
Von 2013 auf 2014 ist die Zahl der Einkommensmillionäre um 8,2 % gestiegen, während der Gesamtbetrag der Einkünfte um nur 2,7 % gestiegen ist. Dies hat zur Folge, dass der durchschnittliche Gesamtbetrag der Einkünfte von rund 3,03 Millionen auf 2,86 Millionen Euro gesunken ist. Gründe hierfür könnten sein, dass sich die Einkünfte der hinzugekommenen Einkommensmillionäre im Durchschnitt am „unteren“ Rand, sprich zwischen 1 Million und 3 Millionen Euro Gesamtbetrag der Einkünfte befanden, und/oder dass die Einkünfte einiger Einkommensmillionäre insgesamt gesunken sind.

Definition:
Der Indikator dokumentiert Lohn- und Einkommensteuerpflichtige mit einem Gesamtbetrag der Einkünfte von mindestens 1 Million € und deren Anteil an den Steuerpflichtigen insgesamt sowie ihren Anteil an der festgesetzten Einkommensteuer insgesamt.

Bewertung und empirische Relevanz:
Der Indikator betrachtet monetären Einkommensreichtum. Reichtum kann außergewöhnlich gute Teilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Zur Messung von Reichtum kann sowohl eine absolute Reichtumsschwelle als auch eine relative Schwelle (200 % und 300 % des Durchschnitts- oder Medianeinkommen) untersucht werden. Der folgende Indikator beschränkt sich auf die Betrachtung einer absoluten Einkommensschwelle (Einkommensmillionäre).

Hinweise:
Einschließlich der Steuerfälle/Steuerpflichtigen ohne Einkommensteuerveranlagung, soweit Werte in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung enthalten waren.
Die Datenlage zum Thema Reichtum ist insgesamt sehr unbefriedigend. In Daten des Mikrozensus oder aus freiwilligen Haushaltsbefragungen sind hohe Einkommen tendenziell unterrepräsentiert. Die einzig verfügbare Datenquelle, mit der sich die Einkommensstruktur am oberen Ende der Verteilung auf kommunaler Ebene abbilden lässt, ist die Lohn-und Einkommensteuerstatistik (LESt). Als Vollerhebung aus den Daten der Steuerfestsetzung weist sie eine sehr hohe Qualität auf. Zu beachten ist, dass die Merkmale durch das Einkommensteuergesetz definiert werden und daher nicht direkt ökonomischen Definitionen entsprechen.

Datenquelle:
Lohn- und Einkommensteuerstatistik, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Verteilung des Nettovermögens

Verteilung des Nettovermögens

Der Indikator zeigt die Verteilung der individuellen Nettovermögen anhand von Dezilen und dem Gini-Koeffizient als Maß von Vermögensungleichheit. Außerdem werden die Top-Nettovermögende und die Top-Vermögenseinkommensbeziehenden ausgewiesen.

Abbildung A3.2.1.1 Verteilung der individuellen Nettovermögen in Baden-Württemberg 2012


Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) (v33), eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A3.2.1.1 Verteilung der individuellen Nettovermögen und Anteil Top-Nettovermögende in Baden-Württemberg 2012

wdt_ID Kennzahlen der Vermögensverteilung Vermögen (Anteil in Dezilen in %, Gini-Koeffizient und Anteil Top-Nettovermögende in %)
1 Dezile (in %)
2 10. Dezil 51,0
3 9. Dezil 20,0
4 8. Dezil 13,5
5 7. Dezil 8,8
6 6. Dezil 4,5
7 5. Dezil 2,0
8 4. Dezil 0,8
9 3. Dezil 0,1
10 2. Dezil 0,0

Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v33, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.



Tabelle A3.2.1.2 Top-Vermögenseinkommensbezieher-Haushalte in Baden-Württemberg 2015


wdt_ID Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 11,5
2 zum Vergleich: Deutschland 7,6
3 -
4 nach Migrationshintergrund*
6 Haushaltsvorstand** ohne MH 14,3
7 Haushaltsvorstand mit MH (5,0)
8 -
9 ergänzende Kennziffer
10 Schwellenwert für die Bestimmung der Top-Vermögenseinkommensbezieher-Haushalte (in €) 5.134,50

*) MH = Migrationshintergrund, siehe Definition Migrationshintergrund.
**) Es werden jeweils alle Personen ab 16 Jahren befragt, aber nur eine Person beantwortet zusätzlich jene Fragen, die den gesamten Haushalt betreffen, beispielsweise Fragen zur Wohnsituation und zum Einkommen. Diese Person wird im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) als Haushaltsvorstand bezeichnet.
() = Angabe in Klammern, da Zahlenwert unsicher.
Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) (v33), eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Die individuellen Nettovermögen sind in Baden-Württemberg deutlich ungleicher verteilt als die Einkommen: Im Jahr 2012 verfügten die unteren 10 % der Vermögensverteilungen über einen negativen Anteil am Gesamtvermögen, haben also höhere Schulden als positive Vermögensbestandteile. Die oberen 10 % der Verteilung vereinten mit 51,0 % rund die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich. Die Personen, welche im Bereich der unteren Hälfte der Vermögensverteilung liegen, besaßen lediglich 2,1 % des gesamten Nettovermögens.
Diese Ungleichheit der Vermögensverteilung drückt sich auch im Gini-Koeffizient aus, der im Jahr 2012 für Baden-Württemberg einen Wert von 0,72 annahm. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Gini-Koeffizient bei 0,78 und deutet damit auf eine etwas höhere Ungleichheit der Vermögensverteilung in Deutschland als in Baden-Württemberg hin.
Der Anteil der Personen an der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg, der im Jahr 2012 über ein individuelles Vermögen von mehr als 500.000 € verfügte lag bei 2,7 %.

11,5 % der Haushalte in Baden-Württemberg erzielten im Jahr 2015 ein Einkommen aus Vermögen, das über dem Schwellenwert liegt (im Jahr 2015 lag dieser bei 5.134,50 €) und waren somit Top-Vermögenseinkommensbeziehende. Gegenüber dem Jahr 2012 ist der Anteil leicht gestiegen (10,4 % der Haushalte mit Vermögenseinkommen über der Schwelle von 5.000 €).
Haushalte, deren Vorstand einen Migrationshintergrund hat, waren deutlich seltener Bezieher von Top-Vermögenseinkommen als Haushalte, deren Vorstand keinen Migrationshintergrund hat.
Im Vergleich von Baden-Württemberg mit Deutschland wird deutlich, dass der Anteil der Haushalte mit Top-Vermögenseinkommen in Baden-Württemberg im Jahr 2015 um 3,9 Prozentpunkte höher lag als bundesweit.

Definition:
Der Indikator zeigt die Verteilung der individuellen Nettovermögen anhand von Dezilen und dem Gini-Koeffizient als Maß von Vermögensungleichheit. Außerdem werden die Top-Nettovermögende und die Top-Vermögenseinkommensbeziehenden ausgewiesen.

Bewertung und empirische Relevanz:
Ähnlich wie das (Erwerbs-)Einkommen stellen auch Vermögensbestände und Einkommen aus Vermögen eine Möglichkeit der Sicherung des Lebensunterhalts und des persönlichen Wohlergehens dar und bieten eine finanzielle Absicherung. Wie auch bei der Einkommensverteilung stellt sich bei der Verteilung von Vermögen und Vermögenseinkommen die Frage nach der Gerechtigkeit der Verteilung beziehungsweise der tolerierbaren Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft.

Hinweise:
Bei der Interpretation des Gini-Koeffizienten ist zu beachten, dass durch die Berücksichtigung von Schulden negative Nettovermögen entstehen können. Solche Fälle, in denen die Schulden über positive Vermögensbestände überwiegen, werden rechnerisch so behandelt, als wäre das Vermögen gleich null. Das liegt daran, dass der Gini-Koeffizient nicht für negative Werte definiert ist. Die Angaben zum individuellen Nettovermögen wurden vom SOEP zuletzt im Jahr 2012 bereitgestellt und liegen auf der Individualebene vor. Das Vermögenseinkommen liegt hingegen nur als Angabe auf Haushaltsebene vor. Für genauere Informationen zur Stichprobe siehe Sozio-oekonomisches Panel (SOEP).

Datenquelle:
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v33, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabellenarchiv:
2012


Tabelle A3.2.1.2 Top-Vermögenseinkommensbezieher-Haushalte in Baden-Württemberg 2012


wdt_ID Nach Merkmal Bevölkerungsanteil (in %)
1 Insgesamt 10,4
2 zum Vergleich: Deutschland 7,0
3 -
4 nach Migrationshintergrund*
6 Haushaltsvorstand** ohne MH 12,4
7 Haushaltsvorstand mit MH (4,5)
8 -
9 ergänzende Kennziffer
10 Schwellenwert für die Bestimmung der Top-Vermögenseinkommensbezieher-Haushalte (in €) 5.000,0

*) MH = Migrationshintergrund, siehe Definition Migrationshintergrund.
**) Es werden jeweils alle Personen ab 16 Jahren befragt, aber nur eine Person beantwortet zusätzlich jene Fragen, die den gesamten Haushalt betreffen, beispielsweise Fragen zur Wohnsituation und zum Einkommen. Diese Person wird im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) als Haushaltsvorstand bezeichnet.
() = Angabe in Klammern, da Zahlenwert unsicher.
Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) (v33), eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Vermögensübertragungen

Vermögensübertragungen

Der Indikator dokumentiert das Volumen der steuerpflichtigen Vermögensübertragungen in Form von steuerpflichtigen Erwerben (Erbschaften, Vermächtnissen und Schenkungen).

Abbildung A3.2.2 Vermögensübertragungen in Form von steuerpflichtigen Erwerben in Baden-Württemberg im Zeitverlauf


Datenquelle: Erbschaft- und Schenkungssteuerstatistik des Statistischen Landesamts, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle A3.2.2 Vermögensübertragungen in Form von steuerpflichtigen Erwerben in Baden-Württemberg im Zeitverlauf


wdt_ID Jahr Insgesamt (Anzahl) Erbschaften und Vermächtnisse (Anzahl) Schenkungen (Anzahl)
1 2007 31.056 23.137 7.919
2 2008 29.582 21.320 8.262
3 2009 31.675 23.857 7.818
4 2010 24.188 18.565 5.623
5 2011 28.990 23.220 5.770
6 2012 27.236 21.304 5.932
7 2013 27.881 21.227 6.654
8 2014 30.032 22.882 7.150
9 2015 30.461 23.099 7.362
10 2016 32.355 24.527 7.828

wdt_ID Jahr insgesamt (in 1.000 €) Erbschaften und Vermächtnisse (in 1.000 €) Schenkungen (in 1.000 €)
1 2007 3.687.715 2.297.954 1.389.761
2 2008 3.903.458 2.317.096 1.586.362
3 2009 4.727.478 3.132.458 1.595.020
4 2010 4.572.961 2.920.586 1.652.375
5 2011 12.481.165 4.602.300 7.878.865
6 2012 9.780.176 4.995.006 4.785.170
7 2013 10.345.153 5.239.377 5.105.775
8 2014 16.054.412 5.583.312 10.471.100
9 2015 16.163.486 5.891.521 10.271.965
10 2016 19.089.310 7.532.950 11.556.361

Datenquelle: Erbschaft- und Schenkungssteuerstatistik des Statistischen Landesamts, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
Seit dem Jahr 2011 ist ein deutlicher Anstieg des Wertes in Euro der veranlagten Vermögensübertragungen durch Schenkungen zu verzeichnen (2,93 Mrd. Euro zwischen 2011 und 2016). Dieser Anstieg ist zurückzuführen auf vorgezogene Übertragungen von Unternehmensvermögen in Erwartung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaft- und Schenkungsteuer. Auch bei Erbschaften zeigt sich ein ähnlicher Trend, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau. Im Jahr 2016 ist in Baden-Württemberg ein Höchststand sowohl bei Erbschaften als auch bei Schenkungen zu verzeichnen.

Definition:
Der Indikator dokumentiert das Volumen der steuerpflichtigen Vermögensübertragungen in Form von steuerpflichtigen Erwerben (Erbschaften, Vermächtnissen und Schenkungen).

Bewertung und empirische Relevanz:
Der Indikator gibt einen Eindruck davon, wie groß der Umfang an Vermögen ist, das jährlich zwischen den Generationen weitergereicht wird. Die Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik ist neben der Einkommensteuerstatistik die einzige Datengrundlage, die auch Angaben zu sehr wohlhabenden Steuerpflichtigen enthält.

Hinweise:
Die amtliche Statistik kann nicht alle Vermögensübertragungen abbilden, da der überwiegende Teil der Erbschaften und Schenkungen wertmäßig unterhalb der Freibetragsgrenzen liegt und daher von den Finanzbehörden keine Steuerfestsetzung erfolgt. Außerdem werden Vermögensarten unterschiedlich bewertet und die Freibeträge variieren nach Verwandtschaftsgrad.

Datenquelle:
Erbschaft- und Schenkungssteuerstatistik des Statistischen Landesamts, eigene Darstellung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.