Pflege

Pflegende Angehörige

Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg wird zu Hause ausschließlich von Angehörigen betreut. Ihnen kommt im Gesamtsystem der Pflege und Betreuung somit eine bedeutende Rolle zu. Entlastungs- und Unterstützungsangebote für Angehörige sind zur Stabilisierung familialer Betreuungssysteme besonders wichtig. Für die Unterstützung und Entlastung häuslicher Pflege sind Angebote der Tages‐ und Nachtpflege sowie der Kurzzeitpflege von großer Bedeutung.

Die Indikatoren in diesem Themenfeld geben einen Überblick über die Gruppe der pflegenden Angehörigen.

Pflegende Angehörige

Der Indikator gibt einen Überblick über die soziodemografischen Merkmale der Gruppe der pflegenden Angehörigen in Baden-Württemberg. Dabei wird zum einen der jeweilige Anteil an der Gesamtbevölkerung dargestellt und zum anderen die Zusammensetzung der Gruppe der pflegenden Angehörigen nach bestimmten Merkmalen.

Abbildung J4.1 Pflegende Angehörige nach soziodemografischen Merkmalen in Baden-Württemberg 2018


Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v35, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.

Tabelle J4.1 Pflegende Angehörige nach soziodemografischen Merkmalen in Baden-Württemberg 2018

wdt_ID Nach Merkmal Anteil pflegender Angehöriger an der Gesamtbevölkerung (in %) Anteile innerhalb der Gruppe der pflegenden Angehörigen (in %)
1 Insgesamt 5,5 -
2 zum Vergleich: Deutschland 5,3 -
3 -
4 nach Geschlecht
5 Männer 5,3 47,8
6 Frauen 5,6 52,2
7 zum Vergleich: Männer Deutschland 4,3 40,2
8 zum Vergleich: Frauen Deutschland 6,3 59,8
9 -
10 nach Alter

Datenquelle: Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) v35, eigene Auswertung FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt.


Einordnung der Ergebnisse:
5,5 % der erwachsenen Bevölkerung Baden-Württembergs pflegten 2018 mindestens eine angehörige Person. Das entspricht dem Anteil der pflegenden Angehörigen in Deutschland (5,3 %). Frauen pflegten in Baden-Württemberg anteilig nur unwesentlich häufiger als Männer (5,6 % zu 5,3 %) Angehörige. Die Gruppe der pflegenden Angehörigen in Baden-Württemberg teilte sich entsprechend zu 47,8 % in Männer und 52,2 % in Frauen. Der Geschlechterunterschied war in der Gesamtbevölkerung Deutschlands mit 6,3 % (Frauen) zu 4,3 % (Männer) etwas ausgeprägter. Die Mehrheit der pflegenden Angehörigen war mit knapp 56,0 % älter als 50 Jahre. Der Anteil der pflegenden Angehörigen an der erwerbstätigen Bevölkerung Baden-Württembergs betrug 5,6 %. Etwas höher war der Anteil der pflegenden Angehörigen in der nicht erwerbstätigen Bevölkerung (7,7 %). Etwa die Hälfte der pflegenden Angehörigen (49,3 %) ging gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit nach, was die Bedeutung der Vereinbarkeit von Pflegeverantwortung und Beruf unterstreicht.

Definition:
Der Indikator gibt einen Überblick über die soziodemografischen Merkmale der Gruppe der pflegenden Angehörigen in Baden-Württemberg. Dabei wird zum einen der jeweilige Anteil an der Gesamtbevölkerung dargestellt und zum anderen die Zusammensetzung der Gruppe der pflegenden Angehörigen nach bestimmten Merkmalen.

Bewertung und empirische Relevanz:
Etwas mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg wird von den eigenen Angehörigen zu Hause gepflegt und betreut. Der Indikator zeigt auf, welche Personengruppen unterschieden nach Geschlecht, Alter und Erwerbstätigkeit vor allem Pflegeverantwortung übernehmen und wie sich die Gruppe der pflegenden Angehörigen zusammensetzt. So kann ein Eindruck gewonnen werden, welche Personengruppen vor allem potentiellen Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind.

Hinweise:
Die Gruppe der pflegenden Angehörigen wird bei diesem Indikator anhand der im SOEP gestellten Frage „Wie viele Stunden pro Tag entfallen bei Ihnen an einem durchschnittlichen Werktag auf die Versorgung und Betreuung pflegebedürftiger Personen?“ definiert. Pflegende Angehörige sind damit Personen, die hierbei mindestens 1 Stunde angegeben haben. Es handelt sich hierbei um keine offizielle statistische Erfassung. Es ist zudem nicht ausgeschlossen, dass es sich bei „pflegebedürftigen Personen“ nicht um die eigenen Angehörigen sondern um ehrenamtlich gepflegte oder betreute Personen handelt. „Pflegebedürftige Personen“ entsprechen hier nicht der Definition der offiziellen Statistik sondern der subjektiven Einschätzung der im SOEP befragten Personen.